Basisschutz gilt überall, Punkt. In Radon-Vorsorgegebieten reicht das aber nicht: Dort braucht es zusätzlich mindestens eine Maßnahme nach §154 StrlSchV, etwa eine Drainage, eine Druckdifferenzsteuerung oder diffusionshemmenden Beton. Der gesetzliche Referenzwert dient als Grenze für den Handlungsbedarf, während das Bundesamt für Strahlenschutz eine geringere Belastung als sinnvolle Orientierung empfiehlt. Wer beides von Anfang an mitdenkt, baut nicht teurer, sondern nur klüger.
Kurz gesagt:
- In Radon-Vorsorgegebieten sind zusätzlich zu Basisschutzmaßnahmen wie Abdichtung mindestens eine Drainage, Druckdifferenzsteuerung oder diffusionshemmender Beton vorgeschrieben.
- Die festgelegten Gebiete orientieren sich an der Prognosekarte des BfS und sollten vor Baubeginn geprüft werden, um teure Nachbesserungen zu vermeiden.
- Für den radondichten Bau sind technische Lösungen wie wasserundurchlässiger Beton, Radondrainage oder kontrollierte Abdichtungen bei Durchführungen notwendig.
- Eine Langzeitmessung über ein Jahr ist die zuverlässigste Methode, um die Radonbelastung im fertiggestellten Haus zu bestimmen, besonders in Vorsorgegebieten.
- Radonschutz muss in der Bauplanung konkret berücksichtigt und dokumentiert werden, um Streit und hohe Nachrüstungskosten zu vermeiden.
Was schreibt das Gesetz beim Radonschutz im Neubau vor?
Die Grundlage ist das Strahlenschutzgesetz, genauer §123. Der verlangt für jeden Neubau in Deutschland einen Basisschutz. Klingt abstrakt, ist es aber nicht: Gemeint ist eine fachgerechte, dem Stand der Technik entsprechende Feuchteabdichtung der erdberührten Bauteile. Wer sein Haus ordentlich gegen Feuchtigkeit abdichtet, hält damit meist auch schon einen Großteil des Radons draußen. Zwei Fliegen, eine Klappe.
In Radon-Vorsorgegebieten reicht das allein nicht. Dort schreibt §154 StrlSchV zusätzlich mindestens eine der folgenden Maßnahmen vor:
- Verringerung der Radonkonzentration im Baugrund unter dem Gebäude
- Gezielte Druckdifferenzsteuerung zwischen Innenraum und Untergrund
- Begrenzung von Rissen in erdberührten Bauteilen
- Einsatz diffusionshemmender Betonqualitäten
- Absaugung an Randfugen und Durchdringungen
Wer legt fest, ob ein Grundstück in einem solchen Gebiet liegt? Die Bundesländer, nicht der Bund. Sie mussten ihre Vorsorgegebiete bis Ende 2020 ausweisen, orientiert an der Prognosekarte des BfS. Die Gebiete konzentrieren sich vor allem auf Mittelgebirge und Alpenvorland, aber auch einzelne Regionen in Brandenburg sind betroffen. Nachschauen lohnt sich, bevor der erste Spatenstich passiert.
Referenzwert: 300 Bq/m³ ist die gesetzliche Grenze, ab der gehandelt werden muss. Das Radon-Handbuch nennt zusätzlich 100 Bq/m³ als fachliche Orientierung, deutlich strenger, aber kein Muss.
Welche baulichen Maßnahmen gibt es und wie funktionieren sie?
Fünf Wege führen zum Ziel, manche kombiniert man besser gleich.
- Abdichtung mit WU-Beton, Folien oder Bitumen. WU-Beton (wasserundurchlässiger Beton) übernimmt gleich zwei Aufgaben: Statik und Dichtheit in einem. Folien und Bitumenbahnen sind günstiger in der Anschaffung, aber empfindlich, ein unachtsamer Handwerker mit einer Schaufel reicht, um die ganze Abdichtung zu durchlöchern. Fachgerecht ausgeführter WU-Beton nach den Richtlinien des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton erfüllt in der Praxis häufig schon die Anforderungen an eine radondichte Bodenplatte.
- Radondrainage oder Radonbrunnen. Unter der Bodenplatte verlegte Drainagerohre saugen die Bodenluft ab, bevor sie ins Haus ziehen kann. Funktioniert gut bei durchlässigen Böden, bei dichtem Lehm oder hohem Grundwasserstand ist die Wirkung begrenzt. Der Trick: Man kann die Rohre vorbereiten, ohne sie sofort zu aktivieren. Kostet in der Bauphase kaum etwas extra, spart später eine teure Nachrüstung.
- Druckdifferenzsteuerung. Ein leichter Unterdruck im Boden gegenüber dem Innenraum verhindert, dass Radon ins Haus gezogen wird. Braucht eine gewisse technische Kontrolle, sonst kehrt sich der Effekt um und man zieht mehr Radon rein statt weniger.
- Rissbegrenzung und diffusionshemmende Betone. Jeder Riss in der Bodenplatte ist ein potenzielles Einfallstor. Konstruktive Bewehrung und die richtige Betonqualität minimieren das Risiko schon im Rohbau.
- Durchführungen sorgfältig abdichten. Leitungen, Erdsonden, Hausanschlüsse, das sind die klassischen Schwachstellen. Hier passieren die meisten Fehler, weil niemand richtig hinschaut.
Profi-Tipp: Lassen Sie sich beim Rohbau die Abdichtung der Durchführungen fotografieren, bevor verfüllt wird. Danach sieht man nichts mehr, und Streit über „wer hat’s verbockt“ gibt es garantiert erst, wenn es zu spät ist.
Planung und Ausführung: Was in die Ausschreibung gehört
Radonschutz gehört in die Bauplanung, nicht in die Nachbesserung. Wer erst nach dem Richtfest fragt, ob das Grundstück in einem Vorsorgegebiet liegt, hat den einfachsten Zeitpunkt schon verpasst.
Beim Grundstückscheck also gleich die Landkarte des BfS oder der zuständigen Landesbehörde konsultieren. Danach in die Grundrissplanung einsteigen, mit dem Radonthema schon im Kopf.
Was muss in der Leistungsbeschreibung stehen?
- Konkrete Dichtheitsanforderungen für die Bodenplatte, nicht nur „nach Stand der Technik“
- Verwendete Materialien namentlich benannt, samt Einbaunachweis
- Vorgaben zur Betonnachbehandlung, damit keine Schwindrisse entstehen
- Prüfpunkte für Durchführungen als fester Bestandteil der Bauüberwachung
Bei der Bauüberwachung sind es fast immer dieselben Stellen, die Probleme machen: Rohrdurchführungen, Arbeitsfugen, Anschlüsse an die Kelleraußenwand. Wer hier eine zusätzliche Kontrolle einplant, spart sich später Ärger.
Profi-Tipp: Planen Sie die Drainage-Reserve gleich mit ein, auch wenn Sie sie zunächst nicht aktivieren. Ein Leerrohr im Beton kostet fast nichts, eine Nachrüstung im fertigen Haus kostet richtig Geld. Eine unabhängige TÜV-Prüfung am Ende der Bauphase liefert genau das Dokument, das im Streitfall zählt: den Nachweis, dass fachgerecht gearbeitet wurde.
Wie wird die Radonbelastung im Neubau gemessen?

Zwei Messarten gibt es. Die Langzeitmessung läuft über ein Jahr und liefert den belastbaren Jahresmittelwert, den das Gesetz als Referenz meint. Die Kurzzeitmessung, meist über Tage bis Wochen, gibt eine erste Einschätzung, ersetzt aber keine Langzeitmessung.
An Arbeitsplätzen gibt es eine Messpflicht. Für private Wohnhäuser gibt es keine generelle Pflicht, aber in Vorsorgegebieten ist eine Messung nach Fertigstellung dringend zu empfehlen, allein schon zur eigenen Absicherung.
Überschreitet die Messung den Referenzwert von 300 Bq/m³, folgt meist eine aktive Absaugung, eine Nachabdichtung schwacher Stellen oder eine erneute Messung nach Nachbesserung.
Wer hilft bei der Umsetzung? Fachfirmen, Messteams und TÜV
Drei Profile braucht man: einen Rohbauunternehmer mit nachweisbarer Praxis im radonsicheren Bauen, einen Bauphysiker für die Detailplanung und ein zertifiziertes Messteam für die spätere Kontrolle.
- In der Ausschreibung konkrete Formulierungen verlangen: Materialnachweis, Detaillösungen für jede Durchführung, definierte Abnahmeprüfungen.
- Eine unabhängige Prüfung, etwa durch den TÜV, klärt im Zweifel die Haftungsfrage, wer hat was wie ausgeführt.
- Wirtschaftlich betrachtet ist das eine einfache Rechnung: Prävention beim Rohbau kostet einen Bruchteil dessen, was eine spätere Sanierung mit aufgestemmter Bodenplatte kostet.
Praktische Empfehlung: Was ich Bauherren raten würde
Radon gehört ins erste Gespräch über das Grundstück, nicht in die Ausschreibung drei Monate später. Und, ja: Planen Sie immer einen Plan B ein, eine Drainage-Reserve, die man notfalls aktivieren kann. Sparen Sie nicht an den Durchführungsdetails, genau da liegen die teuren Fehler von morgen. Eine unabhängige Prüfung früh einplanen, Dokumentation von Anfang an sauber führen, das schützt vor Streit später. In Berlin und Brandenburg spielt die Bodenbeschaffenheit eine größere Rolle als viele denken, sandige Böden verhalten sich anders als lehmige, und das entscheidet mit, welche Maßnahme überhaupt sinnvoll ist.
— Daniel Marczinek
Radonschutz beim Massivhaus: Wie AUREA Massivhaus unterstützt
Ein Bauunternehmen plant und baut schlüsselfertige Massivhäuser inklusive individueller Grundrissplanung und unabhängiger TÜV-Prüfung als festen Bestandteil. Radonschutz wird üblicherweise von Anfang an in den Bauvertrag integriert, etwa durch dichte Bodenplatten, vorbereitete Drainagen, geprüfte Durchführungsdetails und laufende Bauüberwachung.

Das ist der Unterschied zu einem Bauvertrag, bei dem Radonschutz irgendwo in Anlage 12 versteckt ist und niemand so genau weiß, wer die Abdichtung eigentlich kontrolliert hat. Beim Erstgespräch bringen Sie am besten die Grundstücksunterlagen mit und fragen konkret nach: Liegt das Grundstück in einem Vorsorgegebiet, welche Maßnahme ist vorgesehen, wie wird das dokumentiert? Wer sich für ein individuelles Massivhaus interessiert, kann diese Fragen direkt in die Planung einfließen lassen, statt sie erst beim Rohbau zu klären. Ein Beratungstermin klärt in der Regel innerhalb von wenigen Tagen, welche Maßnahmen für Ihr Grundstück in Frage kommen.
Quellen
Gesetzestexte zu StrlSchG und §154 StrlSchV, die BfS-Vorsorgegebietskarte sowie das FHRK-Merkblatt Radonschutz liefern die verlässlichsten Details.
Dieser Artikel enthält allgemeine Informationen und ersetzt nicht die Beratung durch einen qualifizierten Arzt. Wenden Sie sich an eine qualifizierte medizinische Fachperson zu Ihrer persönlichen Lage, bevor Sie auf Grundlage dieses Inhalts handeln.
- Gesetzliche Anforderungen an den Neubau - LfU Bayern
- Radon-Handbuch Deutschland
- § 154 StrlSchV - Maßnahmen zum Schutz vor Radon für Neubauten
FAQ
Welche Radonschutzmaßnahmen gibt es für Neubauten?
Der Basisschutz besteht aus einer fachgerechten Feuchteabdichtung nach §123 StrlSchG. In Vorsorgegebieten ist zusätzlich mindestens eine weitere Maßnahme nach §154 StrlSchV erforderlich, beispielsweise Drainage, Druckdifferenzsteuerung, Rissbegrenzung oder diffusionshemmender Beton.
Welche Gebiete in Deutschland sind mit Radon belastet?
Radon-Vorsorgegebiete konzentrieren sich vor allem auf Mittelgebirge und das Alpenvorland, wurden aber von jedem Bundesland einzeln bis Ende 2020 festgelegt. Die genaue Lage prüft man über die BfS-Karte oder die zuständige Landesbehörde.
Wie kann man radondicht bauen?
Fachgerecht verlegter WU-Beton übernimmt oft schon Statik und Dichtheit zugleich, ergänzt durch sauber abgedichtete Durchführungen und eine kontrollierte Betonnachbehandlung ohne Risse. Wichtig ist die Bauüberwachung, denn die häufigsten Fehler entstehen an Leitungsdurchführungen.
Welche Maßnahmen kann ich ergreifen, um mein Haus vor Radon zu schützen?
Neben der baulichen Abdichtung hilft eine vorbereitete Drainage unter der Bodenplatte, die sich bei Bedarf später aktivieren lässt. Nach Fertigstellung lohnt sich eine Langzeitmessung über ein Jahr, um den Referenzwert von 300 Bq/m³ zuverlässig einzuordnen.








