Ja, passive Kühlung lohnt sich im Neubau — aber nur, wenn die Voraussetzungen stimmen. Konkret: Sie brauchen eine Sole/Wasser- oder Wasser/Wasser-Wärmepumpe, ein Flächenabgabesystem mit niedrigen Vorlauftemperaturen und eine gut gedämmte Gebäudehülle. Wer das plant, kühlt im Sommer mit minimalem Stromverbrauch, weil der Verdichter ausgeschaltet bleibt und nur die Umwälzpumpen laufen.
Harte Voraussetzungen auf einen Blick:
- Wärmepumpentyp: Sole/Wasser (Erdsonde) oder Wasser/Wasser (Grundwasser) — Luft/Wasser scheidet aus
- Flächenabgabesystem: Fußbodenheizung oder Betonkernaktivierung mit Vorlauftemperaturen unter 30 °C
- Gebäudehülle: guter Dämmstandard, außenliegender Sonnenschutz, kontrollierte Lüftung
- Regelung: Taupunktüberwachung, Umschaltlogik Heizen/Kühlen, Totzeiten einplanen
Für wen empfehlenswert: Neubauten mit Erdsonde oder Grundwasserbrunnen, Fußbodenheizung und KfW-55-Standard oder besser. Wann nicht: Bei Luft/Wasser-Wärmepumpe, Heizkörpern oder schlechter Gebäudehülle bringt passive Kühlung keinen sinnvollen Effekt.
Passive Kühlung im Neubau senkt Raumtemperaturen um 2–4 °C mit minimalem Stromverbrauch, setzt aber Erdsonde oder Grundwasser, Fußbodenheizung und einen guten Dämmstandard voraus.
| Thema | Details |
|---|---|
| Systemvoraussetzung | Nur Sole/Wasser- oder Wasser/Wasser-Wärmepumpen ermöglichen passive Kühlung; Luft/Wasser scheidet aus. |
| Leistungserwartung | Typische Raumtemperaturreduktion von 2–4 °C laut Simulationen; Systemnutzungsgrad passiv: 10–25. |
| Bauliche Basis | Außenliegender Sonnenschutz, DIN-4108-2-konformer Dämmstandard und thermische Masse kommen vor der Technik. |
| Regelung und Feuchte | Totzeit von ca. 12 Stunden zwischen Heizen/Kühlen und Vorlauftemperatur mindestens 20 °C schützen vor Problemen. |
| Aurea-Massivhaus | Plant passive Kühlung, Wärmepumpe und Fußbodenheizung als integriertes Gesamtpaket für Neubauten in Berlin-Brandenburg. |
Wie funktioniert passive Kühlung im Neubau technisch?
Passive Kühlung nutzt die natürliche Temperaturdifferenz zwischen dem Innenraum und dem Erdreich oder Grundwasser als Kühlsenke. Der Verdichter der Wärmepumpe bleibt dabei vollständig ausgeschaltet. Wärme fließt vom Gebäude über das Flächenabgabesystem durch einen Wärmetauscher ins Erdreich — physikalisch passiv, ohne mechanische Kälteerzeugung.
Der Energiebedarf beschränkt sich auf die Umwälzpumpen, die Sole oder Wasser durch den Kreislauf bewegen. Das ist der entscheidende Unterschied zur aktiven Kühlung, bei der der Verdichter läuft und deutlich mehr Strom verbraucht.
Komponenten im Überblick:
- Flächenabgabesystem: Fußbodenheizung, Wandheizung oder Betonkernaktivierung — alle drei funktionieren, aber mit unterschiedlicher Reaktionsgeschwindigkeit
- Wärmetauscher/Kühlstation: trennt den Solekreis von der Heizungsseite, verhindert Verunreinigungen
- Umwälzpumpen: einzige aktive Komponente im passiven Betrieb, Stromverbrauch gering
- Sole- oder Brunnenkreis: transportiert die Wärme zur Kühlsenke (Erdreich oder Grundwasser)
Die Fußbodenheizung reagiert träge — das ist kein Fehler, sondern ein Systemcharakteristikum. Die Betonmasse speichert Kälte und gibt sie gleichmäßig ab. Wer abends einschaltet und morgens Kühlung erwartet, wird enttäuscht sein.
Profi-Tipp: Starten Sie die passive Kühlung vorausschauend, nicht reaktiv. Bei einer angekündigten Hitzewelle sollten Sie das System bereits 24–36 Stunden vorher aktivieren. Die Betondecke braucht Zeit, bis die gespeicherte Kälte spürbar wird — wer zu spät einschaltet, kämpft gegen die Physik.
Welche Wärmepumpen eignen sich für GeoCooling und Grundwasserkühlung?
Nur Sole/Wasser- und Wasser/Wasser-Wärmepumpen sind für passive Kühlung geeignet. Eine Luft/Wasser-Wärmepumpe kann diese Funktion nicht sinnvoll übernehmen, weil ihr die notwendige stabile Kühlsenke fehlt. Das ist keine Frage der Marke oder des Modells, sondern des Systemtyps.
GeoCooling mit Erdsonde: So funktioniert der Kreislauf
Beim GeoCooling fließt die Sole aus der Erdsonde (typisch: 8–12 °C im Sommer) durch einen Wärmetauscher zur Heizungsseite. Dort nimmt sie die Raumwärme auf und transportiert sie zurück ins Erdreich. Der Wärmetauscher ist hydraulisch das Herzstück: Er trennt die Kreisläufe, schützt die Wärmepumpe und ermöglicht den passiven Betrieb ohne Verdichter.
Hydraulische Anforderungen, die Planer kennen müssen:
- Wärmetauscher (Plattenwärmetauscher) zwischen Solekreis und Heizkreis
- Umschaltventile für den Wechsel zwischen Heiz- und Kühlbetrieb
- Ausreichende Pumpenleistung für beide Kreisläufe
- Kühlkennlinie in der Regelung hinterlegen
- Totzeit zwischen Heizen und Kühlen einplanen (dazu mehr in Abschnitt 8)
Erdsonde vs. Grundwasser: Was passt besser?
- Erdsonde (Sole/Wasser): Stabile Temperaturen, keine Genehmigung für Wasserentnahme nötig, aber Bohrkosten und Platzbedarf für die Sonden. Leistung im Sommer begrenzt durch saisonale Erwärmung des Erdreichs.
- Grundwasser (Wasser/Wasser): Höhere Kühlleistung durch konstantere Temperaturen (8–12 °C ganzjährig), aber wasserrechtliche Konzession erforderlich, Brunnenbohrung und Schluckbrunnen nötig, höherer Planungsaufwand.
Für die meisten Neubauten in Berlin-Brandenburg ist die Erdsonde die praktischere Wahl. Grundwasserlösungen lohnen sich bei höherem Kühlbedarf oder wenn die Bodenverhältnisse Erdsonden erschweren.
Profi-Tipp: Bei der Sondenauslegung für passive Kühlung gilt als Richtwert: mindestens 26 W/m Sondenleistung bei 1 K Grädigkeit. Wer die Sonde nur für Heizen dimensioniert und Kühlen nachträglich aktivieren will, riskiert, dass die Leistung im Sommer nicht ausreicht. Kühlung muss von Anfang an in die Sondenberechnung einfließen.
Mehr zu den Wärmepumpentypen im Vergleich finden Sie im AUREA-Ratgeber, der Sole/Wasser, Wasser/Wasser und Luft/Wasser mit Blick auf passive und aktive Kühlung gegenüberstellt.
Bauliche Maßnahmen kommen vor der Technik: Was Sie zuerst planen sollten
Passive Kühlung ergänzt eine gute Gebäudehülle — sie ersetzt sie nicht. Bauliche Maßnahmen wie Verschattung und Dämmung haben Vorrang, das ist keine Meinung, sondern Planungslogik: Wer zu viel Wärme ins Gebäude lässt, kann sie mit passiver Kühlung kaum wieder herausbekommen. Die Kühlleistung ist schlicht zu gering dafür.
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Die DIN 4108-2 regelt den sommerlichen Wärmeschutz für Neubauten und definiert Anforderungen an Verschattung, Verglasungsanteil und thermische Masse. Wer diese Grundlage solide plant, reduziert die Kühllast so weit, dass passive Systeme tatsächlich ausreichen.
Kernmaßnahmen für den sommerlichen Wärmeschutz:
- Außenliegender Sonnenschutz: Raffstoren, Jalousien oder Markisen — außen ist zehnmal wirksamer als innen. Wabenplissees können als ergänzende Innenverschattung sinnvoll sein, ersetzen aber keinen außenliegenden Schutz.
- Verglasungswahl: Dreifachverglasung mit g-Wert unter 0,35 für Süd- und Westfassaden
- Thermische Masse: Massivbauweise (Beton, Kalksandstein, Ziegel) speichert Kälte und Wärme, dämpft Temperaturschwankungen
- Nachtlüftung: Fenster oder kontrollierte Lüftungsanlage mit Nachtbetrieb kühlen das Gebäude passiv auf 18–20 °C ab
- Dämmstandard: KfW-55 oder besser als Mindestvoraussetzung für sinnvolle passive Kühlung
Checkliste für die Neubauplanung:
- Gebäudeausrichtung: Hauptwohnflächen nach Süden, Schlafräume nach Norden oder Osten
- Fensterflächen: Südseite mit Verschattung großzügig, West- und Ostseite begrenzt
- Verschattungstyp festlegen: fest (Dachüberstand) oder beweglich (Raffstore) je nach Fassade
- Thermische Masse in Decken und Wänden einplanen, keine Leichtbautrennwände als Hauptstruktur
- Lüftungsanlage mit Nachtkühlungsfunktion vorsehen
Dos und Don’ts:
Keine überdimensionierten Glasflächen nach Westen ohne automatischen Sonnenschutz — das ist der häufigste Planungsfehler, den ich sehe. Und Wärmebrücken an Fensterstürzen und Bodenplatten kosten im Sommer genauso wie im Winter.
Wie viel Kühlung ist realistisch? Leistungswerte und saisonale Grenzen
Ehrliche Antwort zuerst: Passive Kühlung ist kein Ersatz für eine Klimaanlage. Simulationen zeigen Innenraumtemperatursenkungen von ca. 2–4 °C gegenüber einem Gebäude ohne Kühlung, bei gut gedämmten Neubauten mit guter Verschattung. Das klingt wenig, macht aber den Unterschied zwischen 27 °C und 31 °C Raumtemperatur — und das ist bei einer Hitzewelle erheblich.
Der Systemnutzungsgrad im passiven Betrieb liegt typisch zwischen 10 und 25. Zum Vergleich: Eine aktive Kühlung mit Verdichter erreicht Werte um 3–5. Passive Kühlung ist also energetisch deutlich effizienter, aber eben auch leistungsschwächer.
Simulationsergebnis aus einem BFE-Forschungsprojekt: Gut gedämmte Neubauten mit passiver Erdwärmesondenkühlung und Nachtlüftung können auch in warmen Sommern unter 28 °C Raumtemperatur bleiben — vorausgesetzt, die Verschattung funktioniert und die Sonde ist korrekt dimensioniert.
Saisonale Erwärmung des Erdreichs
Die Kühlleistung nimmt im Laufe des Sommers ab, weil das Erdreich durch den kontinuierlichen Wärmeeintrag wärmer wird. Im Juni liefert die Sonde noch 10–12 °C, im August kann die Soletemperatur auf 14–16 °C gestiegen sein. Das reduziert die verfügbare Temperaturdifferenz und damit die Kühlleistung spürbar. Bei einer Hitzewelle im August ist das der kritische Moment, an dem passive Kühlung an ihre Grenzen stößt.
Die Regeneration des Erdreichs durch passive Kühlung hat übrigens einen positiven Nebeneffekt: Sie kann die Heizarbeitszahl im Winter leicht verbessern, weil das Erdreich wärmer in die Heizsaison startet.
Was müssen Sie bei Planung, Normen und Kosten beachten?
Passive Kühlung im Neubau ist kein Plug-and-play. Sie braucht frühe Integration in die Gebäudeplanung — wer das nachträglich einbauen will, zahlt deutlich mehr.
Relevante Normen und Regelwerke:
- DIN 4108-2: Sommerlicher Wärmeschutz, Anforderungen an Verschattung und Verglasungsanteil
- SIA 382/1: Schweizer Norm für Lüftungs- und Klimaanlagen, relevant für Planungsbüros mit grenzüberschreitenden Projekten
- EPBD / GEG: Europäische Gebäuderichtlinie und deutsches Gebäudeenergiegesetz, Anforderungen an Gesamtenergieeffizienz
- GEG §65–§70: Anforderungen an Lüftungs- und Klimaanlagen, SFP-Werte, Feuchte, Volumenströme, Dämmung von Kälteleitungen; Dokumentationspflichten nach §96 bei Änderungen
Das Merkblatt Kühlung Fußbodenheizung von Gebäudeklima Schweiz fordert unter anderem eine regeltechnische Abriegelung der Kühlung bei 26 °C Raumlufttemperatur sowie Taupunktregelung und Dämmung der Leitungen — Vorgaben, die auch für deutsche Neubauten als Planungsgrundlage sinnvoll sind.
Genehmigungsfragen bei Grundwassernutzung:
Wer eine Wasser/Wasser-Wärmepumpe plant, braucht eine wasserrechtliche Erlaubnis. In Berlin und Brandenburg ist das Landesamt für Umwelt zuständig. Genehmigungszeiten von 3–6 Monaten sind realistisch — das muss in die Projektplanung einfließen.
Kostenorientierung: Ein BFE-Forschungsprojekt hat für Niedrigenergiehäuser eine Zusatzinvestition von rund 2.000–3.000 CHF für passive Erdwärmesondenkühlung im Neubau ermittelt (Schweizer Werte; in Deutschland vergleichbar, abhängig von Sondenlänge und Hydraulik). Die laufenden Betriebskosten beschränken sich auf den Pumpenstrom — bei modernen Hocheffizienzpumpen im Bereich weniger Euro pro Monat.
Planungs-Checkliste für den Neubau:
- Wärmepumpentyp und Kühleignung in der Ausschreibung festlegen
- Sondendimensionierung mit Kühlbedarf beauftragen (nicht nur Heizlast)
- Hydraulikschema mit Wärmetauscher, Umschaltventilen und Taupunktregelung planen
- Architektur, Thermik und Haustechnik gemeinsam in einem frühen Planungsworkshop abstimmen
- Genehmigungsverfahren (Grundwasser) frühzeitig anstoßen
- Wärmepumpenlieferant in Regelungsplanung einbeziehen
Die frühe Energieplanung zahlt sich hier direkt aus: Wer Kühlung erst in der Ausführungsplanung ergänzt, zahlt für Nacharbeiten an Hydraulik und Regelung.
Für welche Neubauten passt passive Kühlung wirklich?
Nicht jedes Projekt profitiert gleich. Die Entscheidung hängt von konkreten Faktoren ab, nicht von allgemeinen Wünschen.
Entscheidungskriterien:
- Gebäudetyp: Einfamilienhaus, Bungalow oder kompaktes Mehrfamilienhaus mit Fußbodenheizung — gut geeignet. Hochhaus oder Gebäude mit hohen internen Lasten — eher nicht.
- Dämmstandard: KfW-55 oder besser als Untergrenze; KfW-40 oder Passivhaus profitieren am stärksten
- Flächenabgabesystem: Fußbodenheizung oder Betonkernaktivierung — zwingend. Heizkörper scheiden aus.
- Verfügbare Quelle: Erdsonde oder Grundwasser vorhanden oder planbar
- Nutzererwartung: Temperaturreduktion von 2–4 °C, keine Klimaanlage mit 20 °C Raumtemperatur
Fragen, die Sie Ihrem Planer stellen sollten:
- Welche Sondenleistung (W/m) ist für Kühlung ausgelegt, nicht nur für Heizung?
- Welches Flächenabgabesystem ist vorgesehen, und wie niedrig sind die Vorlauftemperaturen?
- Wie verhält sich das System bei einer zweiwöchigen Hitzewelle im August?
- Ist eine Taupunktregelung eingeplant, und wo sitzen die Sensoren?
Empfehlung: Kombinieren Sie passive Kühlung mit einer aktiven Kühloption als Rückfallebene — entweder über die Wärmepumpe selbst (aktive Kühlung mit Verdichter) oder über eine separate Kältemaschine. Wer eine Photovoltaikanlage hat, kann den Strom für aktive Kühlung an Spitzentagen aus eigener Erzeugung decken. Das macht das Gesamtsystem resilient, ohne die Betriebskosten dauerhaft zu erhöhen.
Wie kombinieren Sie passive und aktive Kühlung sinnvoll?
Die Strategie ist klar: zuerst passiv, aktiv nur bei Bedarf. Passive Kühlung läuft als Grundlast, aktive Kühlung schaltet zu, wenn die Raumtemperatur trotzdem über einen definierten Grenzwert steigt — typisch 26 °C.
Vergleich der beiden Betriebsmodi:
- Passiv: Systemnutzungsgrad 10–25, Strombedarf minimal (nur Pumpen), Reaktionszeit träge (Stunden bis Tage), Kühlleistung begrenzt
- Aktiv: Systemnutzungsgrad 3–5, Strombedarf deutlich höher (Verdichter läuft), Reaktionszeit schnell, Kühlleistung hoch
Regelung: Totzeiten und Taupunktvermeidung
Das häufigste Regelungsproblem in der Praxis: zu schnelles Umschalten zwischen Heizen und Kühlen. Eine Totzeit von etwa 12 Stunden in der Regelungslogik verhindert, dass das System bei wechselhaftem Wetter ständig zwischen den Modi wechselt und dabei Energie verschwendet oder die Hydraulik belastet.
Taupunktunterschreitung ist das zweite Risiko. Wenn die Vorlauftemperatur zu tief sinkt, kondensiert Luftfeuchtigkeit auf den Fußbodenoberflächen. Die Lösung: Vorlauftemperatur auf mindestens 20 °C begrenzen und einen Taupunktsensor im Rücklauf installieren. Bei einer Temperaturdifferenz von mehr als 4–5 K zwischen Vorlauf und Taupunkt muss die Regelung automatisch eingreifen.
Profi-Tipp: Photovoltaik und aktive Kühlung sind ein gutes Paar. An Hochsommertagen, wenn die PV-Anlage auf Volllast läuft, können Sie die aktive Kühlung mit Eigenstrom betreiben — ohne Mehrkosten beim Netzbezug. Das macht aktive Kühlung als Spitzenlastabsicherung wirtschaftlich attraktiv, auch wenn sie im Normalbetrieb selten läuft.
Praxisbeispiel: Neubau mit passiver Kühlung in Brandenburg
Ein Einfamilienhaus in Brandenburg, KfW-40-Standard, 160 m² Wohnfläche, Fußbodenheizung im gesamten Erdgeschoss und Betonkernaktivierung in der Decke zum Obergeschoss. Wärmepumpe: Sole/Wasser mit zwei Erdsonden à 120 m Tiefe, ausgelegt für Heizung und passive Kühlung. Zusätzlich eine 10-kWp-Photovoltaikanlage.
Ergebnis im ersten Betriebssommer: Die Raumtemperatur lag an Spitzentagen (Außentemperatur 35 °C) bei 26–27 °C, während vergleichbare Gebäude ohne Kühlung 30–31 °C erreichten. Das entspricht einer Reduktion von rund 3–4 °C, was sich mit den Simulationswerten aus dem BFE-Forschungsprojekt deckt.
Erfahrungswert aus der Praxis: Die Betonkernaktivierung in der Decke hat sich als entscheidender Vorteil erwiesen. Sie reagiert zwar langsamer als eine Fußbodenheizung allein, speichert aber deutlich mehr Kälte und hält die Temperatur über Nacht stabil. Wer nur Fußbodenheizung hat, sollte die Kühlung noch früher starten.
Was wir gelernt haben:
- Die Sondenauslegung muss Kühlung explizit berücksichtigen. Beim Erstgespräch mit dem Wärmepumpenlieferanten war das nicht selbstverständlich — wir haben nachgehakt.
- Nutzerführung ist unterschätzt: Die Bewohner mussten verstehen, dass das System vorausschauend gesteuert werden muss, nicht reaktiv.
- Die Abstimmung zwischen Architekt, TGA-Planer und Wärmepumpenlieferant hat drei Planungsrunden gebraucht. Früher anfangen zahlt sich aus.
Wer ein ähnliches Projekt plant, kann bei Aurea-Massivhaus eine Projektprüfung anfragen — dazu mehr im nächsten Abschnitt.

Meine Einschätzung: Chancen und Warnungen für Bauherren
Passive Kühlung im Neubau empfehle ich klar — aber mit offenen Augen. Für Bauherren mit Erdsonde, Fußbodenheizung und einem Dämmstandard ab KfW-55 ist es eine der sinnvollsten Investitionen, die sie im Haustechnikbereich treffen können. Der Aufwand ist überschaubar, der Nutzen real.
Aber ich sehe zwei Fehler, die sich wiederholen. Erstens: falsche Erwartungen. Wer glaubt, passive Kühlung liefert 22 °C Raumtemperatur wie eine Split-Klimaanlage, wird enttäuscht sein. 2–4 °C Reduktion klingt wenig, ist aber der Unterschied zwischen erträglichem Wohnen und schlaflosen Nächten. Zweitens: das Feuchtigkeitsrisiko. Wer die Vorlauftemperatur zu tief setzt oder keine Taupunktregelung einbaut, riskiert Kondensat auf dem Fußboden. Das ist kein theoretisches Problem — ich habe Projekte gesehen, wo genau das passiert ist.
Mein konkreter Tipp für die Planung: Bestehen Sie darauf, dass Architekt und TGA-Planer gemeinsam in einem frühen Planungsworkshop sitzen. Nicht nacheinander, sondern gleichzeitig. Passive Kühlung funktioniert nur, wenn Gebäudehülle, Flächenabgabesystem und Regelung aufeinander abgestimmt sind. Wer das sequenziell plant, baut Kompromisse ein, die später teuer werden.
Aurea-Massivhaus plant passive Kühlung von Anfang an mit
Wer in Berlin oder Brandenburg ein Massivhaus baut und passive Kühlung von Anfang an integrieren will, bekommt bei Aurea-Massivhaus genau das: eine schlüsselfertige Lösung, bei der Architektur, Haustechnik und Wärmepumpenintegration von der ersten Planungsrunde an zusammengedacht werden. Keine nachträglichen Kompromisse, keine vergessenen Leerrohre.

Der konkrete Vorteil: Aurea-Massivhaus koordiniert Grundrissplanung, Dämmstandard, Fußbodenheizung und Wärmepumpenauslegung als Gesamtpaket — inklusive unabhängiger TÜV-Prüfung. Wer Kühlung erst in der Ausführungsplanung ergänzt, zahlt für Nacharbeiten. Wer sie von Anfang an einplant, spart diese Kosten und bekommt ein System, das tatsächlich funktioniert.
Schauen Sie sich die Hausideen und Referenzprojekte an und vereinbaren Sie ein kostenloses Beratungsgespräch, um Ihr Projekt mit passiver Kühlung durchzuplanen.
Quellen
Wer passive Kühlung ernsthaft plant, braucht verlässliche Grundlagen. Hier die wichtigsten:
- Aktive und passive Kühlung mit Wärmepumpen | BauNetz Wissen
- Effiziente Kühlung ohne Mehraufwand? (BFE‑Projekt)
- Wie funktioniert das Kühlen mit der Wärmepumpe? | SBZ Online
- Aktive und passive Kühlung mit Wärmepumpe | Haustec
- Merkblatt Kühlung Fußbodenheizung (Gebäudeklima Schweiz)
- Kühlen mit Fußbodenheizung – Praxisratschläge | Conrad Ratgeber
FAQ
Was ist passive Kühlung, und wie unterscheidet sie sich von aktiver Kühlung?
Passive Kühlung leitet Raumwärme über ein Flächenabgabesystem und einen Wärmetauscher ins Erdreich oder Grundwasser, ohne dass der Verdichter der Wärmepumpe läuft. Aktive Kühlung hingegen betreibt den Verdichter wie eine Klimaanlage und erzeugt Kälte mechanisch, was deutlich mehr Strom verbraucht.
Welche passiven Kühlstrategien gibt es für Gebäude?
Im Neubau stehen GeoCooling (Erdsonde), Grundwasserkühlung (Wasser/Wasser-Wärmepumpe), Nachtlüftung, thermische Masse (Betonkernaktivierung) und außenliegender Sonnenschutz zur Verfügung. Diese Maßnahmen wirken am besten kombiniert.
Kann jede Wärmepumpe passiv kühlen?
Nein. Nur Sole/Wasser- und Wasser/Wasser-Wärmepumpen sind für passive Kühlung geeignet. Luft/Wasser-Wärmepumpen können passive Kühlung nicht sinnvoll leisten, weil ihnen die stabile Kühlsenke fehlt.
Wie viel Temperaturreduktion ist durch passive Kühlung realistisch?
Simulationen zeigen typische Raumtemperatursenkungen von 2–4 °C gegenüber einem Gebäude ohne Kühlung. Das reicht bei gut gedämmten Neubauten mit guter Verschattung, um auch an Hitzewellentagen unter 28 °C zu bleiben.
Welche Risiken gibt es bei passiver Kühlung im Neubau?
Das größte Risiko ist Taupunktunterschreitung: Wenn die Vorlauftemperatur zu tief sinkt, kondensiert Feuchtigkeit auf Fußbodenoberflächen. Eine Taupunktregelung und eine Mindestvorlauftemperatur von 20 °C verhindern das zuverlässig.








